Wenn alte Muster unser Handeln bestimmen

Diese Woche hatte ich ein Training zum Thema „Führung“. Gemeinsam haben wir anhand von Praxisbeispielen erarbeitet, wie Führungskräfte wirksam mit ihren Mitarbeitenden kommunizieren können.
Eine Teilnehmerin und Führungsperson brachte eine Situation aus ihrem Arbeitsalltag ein: Es ging darum, einer Mitarbeiterin Grenzen zu setzen, die sich immer wieder über ihren Tourenplan beschwert, obwohl dazu bereits mehrere Gespräche stattgefunden hatten.
Die Führungskraft schilderte, dass sie inzwischen genervt sei und ihr Bedürfnis nach Zusammenarbeit und Akzeptanz nicht respektiert werde. Als wir darüber sprachen, wie sie der Mitarbeiterin klar und verbindlich begegnen könnte, sagte sie plötzlich: „Das kann ich nicht. Ich kann nicht so hart sein.“
Im weiteren Gespräch wurde deutlich, dass hinter dieser Schwierigkeit weniger mangelnde Klarheit als vielmehr ein starkes Harmoniebedürfnis steckt. Vor allem der innere Glaubenssatz „Sei gefällig“ hinderte sie daran, eine klare Botschaft zu formulieren, orientiert an ihren eigenen Bedürfnissen ebenso wie an den Anforderungen ihrer Führungsrolle.
Sehr oft lassen wir uns in unseren Entscheidungen von inneren Glaubenssätzen und Antreibern leiten. Besonders häufig begegnen uns dabei Botschaften wie:
➡️ „Sei perfekt.“
➡️ „Beeil dich.“
➡️ „Streng dich an.“
➡️ „Sei gefällig. Mach es allen recht.“
➡️ „Sei stark.“
Auch wenn wir diese Sätze nicht wortgetreu übernehmen, spielen sie im Unterbewusstsein eine Rolle.
Um innere Antreiber zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf frühe Erfahrungen. Kinder sind darauf angewiesen, dass Bezugspersonen verlässlich da sind. Gleichzeitig nehmen sie sehr fein wahr, wofür sie gelobt, kritisiert oder übersehen werden.
Aus diesen Erfahrungen entwickeln sich nach und nach innere Regeln. Sie klingen zum Beispiel so:
➡️ „Wenn ich Schwäche zeige, werde ich nicht ernst genommen.“
➡️ „Wenn ich besonders gute Leistungen bringe, werde ich gesehen und wahrgenommen.“
➡️ „Wenn ich mich anpasse, bin ich sicher.“
Gelernt haben wir diese Regeln von unseren Eltern, Lehrkräften, Geschwistern und anderen wichtigen Bezugspersonen. Wir verinnerlichen sie so stark, dass sie uns bis ins Erwachsenenalter prägen und auch heute noch auf ausgesprochene und unausgesprochene Erwartungen reagieren.
Genau das zeigte sich auch bei der Führungskraft aus dem Training: Nicht fehlende Kompetenz hielt sie davon ab, klar zu kommunizieren, sondern die innere Überzeugung, nur dann akzeptiert zu werden, wenn sie harmonisch und gefällig bleibt. Diese Erkenntnis hat sie sehr nachdenklich gemacht.
✅ Führung bedeutet nicht, hart oder kalt zu sein, sondern vielmehr, die eigenen Bedürfnisse, Grenzen und Verantwortlichkeiten ernst zu nehmen und sie klar zu kommunizieren. Wenn wir verstehen, was uns innerlich steuert, gewinnen wir die Freiheit, bewusst anders zu handeln.
👉 Im nächsten Newsletter gehe ich noch etwas tiefer auf die verschiedenen inneren Antreiber ein und darauf, wie sie unser Verhalten, unsere Kommunikation und unsere Entscheidungen im Alltag beeinflussen.
Elke Strauß
Seit vielen Jahren begleite ich als Trainerin, Coach und Moderatorin Menschen in herausfordernden Arbeits- und Lebenssituationen. Mein Schwerpunkt liegt auf den Themen Pflege, Demenz, Unterstützung von Angehörigen sowie Coaching und der Entwicklung von Teams und Führungskräften.
Mein Anliegen ist es, wertvolle Impulse, praktische Tipps und inspirierende Gedanken mitzugeben – für mehr Orientierung, Entlastung und neue Perspektiven im Alltag.
Elke Strauß
Dipl. Pflegewirtin, Krankenschwester, Trainerin, Coach und Moderatorin
Mehr Infos: www.elke-strauss.de

