Rombachs Finanztipps:
MSCI World ETF: Die First-Class-Mogelpackung

Vor gut einem Jahr habe ich eine Kolumne zum MSCI World ETF geschrieben und kein gutes Haar an dem Papier gelassen.
Zu wenig „World“, zu viel systemisches Risiko aufgrund der „Magnificent Seven“ waren meine Gegenargumente.
Genutzt hat es vermutlich nicht so viel – ist doch klar, wenn du gegen ein Papier schreibst, das nahezu jeder in seinem Depot hat.
Doch mittlerweile sieht das ganz anders aus. Es häufen sich die Fragen, ob man denn diesen ETF jetzt verkaufen solle. Der Grund ist klar. Die Warnungen sind Realität geworden. Die Performance des MSCI World ist nicht gerade berauschend, um es höflich zu formulieren. Aber mittlerweile dämmert eben auch vielen Börsianern, wie kritisch die Risikohäufung durch die großen US-Technologiekonzerne ist.
Fakt ist, dass der MSCI World ETF in meinen Augen damals eine Mogelpackung war und immer noch ist. Wenn dem Anleger vorgegaukelt wird, er kaufe „die ganze Welt in einem einzigen ETF“ und das sei die beste Risikodiversifikation, die man sich vorstellen könne, dann ist das eben hanebüchener Blödsinn.
Wo World Index draufsteht, ist noch lange kein „World“ drin. Man mag es kaum glauben, es ist aber so. Der MSCI World Index ist in Wirklichkeit ein US-Index. Nahezu drei Viertel aller dort gelisteten Unternehmen kommen aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Und die sogenannten „Magnificent Seven“ kommen davon auf fast ein Fünftel des gesamten Kuchens.
Danach kommen mit ein paar Prozentpünktchen Japan (5 Prozent) und Großbritannien (3,5 Prozent). Länder wie China, Indien und Taiwan sind in diesem Weltindex überhaupt nicht enthalten.
Mittlerweile bin ich aber von der Altersweisheit doch so sehr durchdrungen, dass ich mich nach Alternativen umgesehen habe, es gibt ja auch Anlegende, die unbedingt ETFs haben wollen, und ich will mich dieser Idee ja auch nicht rundheraus verschließen.
Merke, es gibt bessere Alternativen!
Also es gibt durchaus bessere Alternativen zum MSCI World ETF, wenn ich in den USA bleiben oder wenigstens auch dort investiert sein will.
Ich würde in diesem Fall eindeutig zum „MSCI All Countries World“ tendieren. Dieser enthält mehr als 2.500 Unternehmen (Risikostreuung!) und damit doppelt so viel wie der MSCI World. Außerdem investiert der MSCI All Countries World auch in Aktien aus Schwellenländern.
Wer es weniger US-lastig mag: Auch die Comdirect bietet mit dem „Comdirect All World ETF“ einen global investierenden ETF an.
Merke also, die weltweite Risikostreuung wird immer wichtiger. Daher Leute, Reset, schaut in eure Depots.
Und zum Schmunzeln (oder zum Nachdenken) noch mein „Knallbonbon der Woche“
Da haben „wir“ ja mal wieder jämmerlich versagt bei der jüngsten Winterolympiade. Nur Platz 6 statt weiter oben wie geplant, dafür 14 vierte Plätze für die Holzmedaille. Auweia.
Im Netz, dem Eldorado der Couchsurfer und Besserwisser, ergoss sich Hohn und Spott vielhunderttausendmal über die deutschen Sportlerinnen und Sportler.
Ihr Dummbeutel, geht’s noch?
Die Ursachen für das Systemversagen liegen ganz woanders.
Angefangen damit, dass bei den Bundesjugendspielen nur noch die Teilnahme bejubelt wird, und beendet dadurch, dass Olympiatrainer jämmerlich bezahlt werden, und das auch noch auf Basis von Zeitverträgen. Ach ja, und Olympiasportlern bei Behörden ist auch noch der Weg in den gehobenen Dienst versagt.
Versagt hat also vor allem der deutsche Staat und daran wird sich auch nichts ändern. Bis zum nächsten Gejammere bei den nächsten Spielen. Deutschland, Deutschland, über alles.
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Reinhold Rombach
„Börsebius“

