Rombachs Finanztipps:

ELTIF, das verdammt verführerische Kürzel

Neobroker faszinieren viele Anlegende, vor allem jüngere Menschen lieben Börsendepots bei Trade Republic, Scalable Capital, Revolut und wie die schnellen Onlinebroker alle so heißen. Deren Kundenzahl geht mittlerweile in die Millionen und die Neos machen damit längst etablierten Häusern ernsthafte Konkurrenz.

Da lohnt es sich für mich und ich hoffe, auch für meine geneigten Leser, genauer hinzuschauen, was diese Banken denn so an neuen Produkten auf der Pfanne haben, wofür sie also gerade trommeln, auch und obwohl es mit deren Kundenfreundlichkeit in letzter Zeit nicht zum Besten stand. Aber das ist mehr ein Zeichen des stürmischen Wachstums dieser Häuser und wird sich irgendwann auch mal wieder einpendeln.

Es gibt aber aktuell einen Trend, über den wir unbedingt sprechen müssen. Neobroker und hier vor allem Trade Republic und Scalable versprechen derzeit mit ihren Apps den leichten Zugang zum privaten Kapitalmarkt für alle. SpaceX, OpenAI und Nvidia – per App, versteht sich – schon ab einem Euro kaufen und damit Zugang zu Bereichen haben, die ansonsten nur Schwerreichen zugänglich sind. Wie kann das gehen?

ELTIF für Normalanleger

Es geht bei dieser neuen Angebotsform um sogenannte „ELTIF“, was wie ETF klingt und möglicherweise Absicht oder Zufall ist, wer weiß das schon genau. Den Namen „ELTIF“ wird sich der Anleger in Zukunft so oder so merken müssen. Und nicht nur das. Mit „ELTIF-Fonds“ kann sich die durchschnittliche Anlegerin ab sofort – also auch bei Trade Republic und Scalable – als Finanzkrösus fühlen oder zumindest die gleichen Instrumente nutzen. ELTIF steht für „European Long-Term Investment Funds“. Damit wird dem „normalen“ Anleger schon ab kleinsten Beträgen der Einstieg in die Welt von Private Equity ermöglicht. Die neue ELTIF-2.0-Verordnung bringt den Anbietern dieser Fondsart enorme Erleichterungen.

Somit ist es auch dem berühmten kleinen Sparer von nebenan möglich, sich an einem neuen Flughafenprojekt in Dublin oder an SpaceX von Elon Musk zu beteiligen oder an einer Brücke über irgendeinen Fluss in Südamerika oder weiß der Teufel was sonst noch alles. Kurzum, es handelt sich um Projekte des privaten Kapitalmarktes, die eben nicht an der Börse notiert sind und auch keinen festen Kurs haben.

Und genau hier fängt es schon an zu hapern. Wer aus einem solchen Projekt wieder raus will, findet keinen Käufer und auch keinen Marktmechanismus, er kommt da einfach aus seinem Engagement nicht so leicht heraus, wenn überhaupt. Wer also nicht akzeptiert, möglicherweise sehr langfristig gebunden zu sein, hat hier von Anfang an ein Problem. Einen echten Marktpreis, der täglich ermittelt wird, gibt es einfach nicht.

Ob die Macher von Neo-Apps ihren Kunden das auch so vermitteln, scheint mir nicht so richtig gegeben zu sein. Dass man solche ELTIFs „mal eben so“ per App kaufen kann, mag den Eindruck erwecken, per Klick würde man das Engagement genauso schnell wieder los. Genau das ist möglicherweise der Riesenhaken, mit dem viele Kunden nicht rechnen. Vor allem, wenn der Kunde (in der gleichen App) daneben mal schnell Aktien und ETFs kaufen kann.

ELTIF ist also ein verdammt verführerisches Kürzel. Klingt wie ETF, ist aber um Klassen riskanter. Wer aus ELTIF raus will, kann darüber hinaus ein Riesenproblem bekommen. Für durchschnittlich risikobereite Anlegende also eine Nummer zu groß. Ach, was sage ich: drei Nummern!

 

Und zum Schmunzeln (oder zum Nachdenken) noch mein „Knallbonbon der Woche“

Mich interessiert sehr, was „the holy community of financial analysts“ zur teuersten Aktie der Welt, NVIDIA, meint. Deswegen habe ich die KI um ihre Meinung gebeten. Kaufen, halten, verkaufen, das wird man ja wohl noch hinkriegen.

Die Antwort der KI war ziemlich deutlich. Sehr deutlich sogar. 89 % der Experten raten zum Kauf der Aktie, 12 % würden sie halten und nur 2 % verkaufen.

Was, um alles in der Welt, hat diese Frage im Knallbonbon zu suchen?

Das Lob um die Antwort gebührt den schnellen Kopfrechnern unter den Lesenden. Die haben längst gemerkt, dass die Summe der Rechenaufgabe über 100 Prozent liegt.

Sieh mal einer an. Wenn schon die KI mit der Prozentrechnung Schwierigkeiten hat, dann kann es ja an anderer Stelle auch nicht so weit her sein.

Merke also: Schlau tun ist noch lange nicht schlau sein.

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Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“

Unser Gastkommentator Reinhold Rombach ist einer der bekanntesten Börsenexperten Deutschlands und lebt schon lange in Rodenkirchen. Er beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit börsennotierten Gesellschaften, mit Aktien und Fonds, analysiert ihre Stärken und Schwächen. Seine Meinung über Geld&Börsen veröffentlichte er früher als Kolumnist in der Zeit (aber auch in der Wirtschaftswoche und der Süddeutschen Zeitung) und mehr als ein Vierteljahrhundert im Deutschen Ärzteblatt als „Börsebius“. Seine Fans nennen ihn aber auch den „Kostolany vom Rhein“ oder das „Kölsche Orakel“.  Rombach´s spannende wöchentliche Kolumnen und eine Aktien-TopTen-Masterliste erscheinen im Web unter www.derboersebius.de