Rombachs Finanztipps:

Bitcoin: Abwärts ist auch eine Alternative

Herzliche Grüße erst mal vom Steinzeitmenschen Börsebius. So hat mich vor Kurzem ein erboster Leser tituliert und auch noch als Fossil der Finanzmärkte bezeichnet, weil ich den Bitcoin komplett grundlos schlechtreden würde. Ich solle mich von der Bewertung dieser Kryptowährung „fernhalten“. Natürlich folge ich diesem „Rat“ nicht, zumal Börsebius-Fans ja wissen, dass ich dem Bitcoin gegenüber grundsätzlich feindlich gestimmt bin. Und das aus guten Gründen. Darauf komme ich aber später noch zurück. 

Die älteste Kryptowährung in unserem Universum schien unter dem Schutz von Donald Trump alle Wege nach oben offen zu haben. Was sollte den Bitcoin noch aufhalten, wenn der mächtigste Mann der Welt diese „Währung“ so hofiert und nebenbei fett dabei absahnt? Als der Bitcoin sein Rekordhoch von 126.000 Dollar im Herbst letzten Jahres erreichte, schienen alle Zweifelnden – darunter auch ich – widerlegt. Es konnte ja nur noch höher gehen.

Nun also das sprichwörtliche Grauen unter den Bitcoin-Jublern. Die wichtigste Kryptowährung des Globus brach Anfang Februar auf unter 70.000 Dollar ein, rappelte sich wieder auf, um dann aber doch ganz aktuell sogar unter die Marke von 62.000 Dollar zu rutschen. Ein fulminanter Absturz also.

Als Auslöser der aktuellen Krise gilt kurioserweise der KI-Boom. Viele Anlegende haben ihre Bitcoins verkauft und dafür in die vermeintlich attraktiveren Technologieaktien investiert, was nebenbei bemerkt auch ziemlich schiefgehen kann, siehe der aktuelle Kursverlauf von SpaceX. Aber das ist eine andere Baustelle.

KI bedroht den Bitcoin aus reinen Konkurrenzkriterien, heißt es demnach in vielen Analystenkommentaren und Bankpublikationen. Mag sein, dass das eine Rolle spielt und die bevorstehenden Megabörsengänge von OpenAI und Anthropic dem Markt auch Liquidität zulasten des Bitcoins entziehen. Aber man muss sich trotzdem immer wieder die Basisfrage zum Bitcoin stellen: Was ist das eigentlich und wozu dient er?

Wie geht es denn jetzt mit dem Bitcoin weiter?

Das ist natürlich die Frage aller Fragen, deren Antwort ich auch nicht kenne. Allerdings mehren sich die warnenden Stimmen, die durchaus das Risiko eines weiteren Absturzes sehen. Der bekannte US-Investor Michael Burry warnt vor einem Kursrückgang, der sich selbst verstärkt. Burry schrieb auf der Plattform „Substack“, er befürchte eine „Todesspirale“ bei einem anhaltenden Rückgang des Bitcoin-Preises.

Ich bin in dieser schwierigen Situation durchaus dafür, den Bitcoin einem Faktencheck zu unterziehen.

Check 1: Der Bitcoin ist eine Währung

Das ist kompletter Unfug. Der Bitcoin ist kein Zahlungsmittel, auch wenn er teilweise als Zahlungsmittelersatz genutzt wird. Das kann aber jederzeit und von heute auf morgen wieder anders sein.

Eine Währung im klassischen Sinne ist der Bitcoin sowieso nicht, er ist nicht von einer Zentralbank ausgegeben, noch anerkennt ihn ein Staat der Welt als Tauschmittel. Im Gegenteil. China hat den Kryptowährungen bereits den Kampf angesagt und auch die ehemalige US-Finanzministerin Janet Yellen hält Bitcoin & Co. für „besorgniserregend“.

Check 2: Bitcoin schützt vor Inflation

Das ist die Aussage: Eine Währung, bei der die Zahl der Coins auf 21 Millionen begrenzt ist, unterliegt keiner Inflation.
Das ist albern. Ein Asset, das in einem Monat mal um 30 Prozent steigt und im nächsten Monat um 20 Prozent fällt, kann niemals vor Inflation schützen.
Einmal davon abgesehen, dass der Bitcoin irgendwann einfach in sich zusammenfallen kann.

Check 3: Bitcoin ist ein Energiefresser

Komplett korrekt. Und das in Zeiten, in denen Nachhaltigkeit bei vielen Regierungen an vorderster Stelle steht. Kryptowährungen verbrauchen beim „Mining“ so viel Energie wie teilweise ganze Staaten. Es kann also sein, dass Regulierer allein aus diesem Grund den Bitcoin attackieren.

Check 4: Der Bitcoin-Code kann nicht geknackt werden

Kann sein, aber hören Sie mal Forschende, die sich mit Quantencomputern beschäftigen. Danach ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Bitcoin-Code geknackt wird, und das nicht in Jahren, sondern alsbald.

Fazit: Wann das letzte Stündlein des Bitcoins schlägt, weiß ich auch nicht. Ich weiß aber, dass viel heiße Luft in Kryptowährungen steckt. Das vor einigen Monaten noch scheinbar Undenkbare eines Kryptocrashs scheint in meinen Augen möglicher denn je.

 

Und zum Schmunzeln (oder zum Nachdenken) noch mein „Knallbonbon der Woche“

Da hat doch tatsächlich unser aller Bundeskanzler auf dem G7-Gipfel dem US-Präsidenten zu dessen 80. Geburtstag ein hübsches Geschenk gemacht:

Hurra, ein Deutschland-WM-Trikot mit der Aufschrift auf dem Buckel „Trump 47“, selbstredend nicht für das Alter, sondern für den 47. Präsidenten der USA. 

Also ein bisschen Fremdschämen ist da schon, zumal der Jubilar sich ein gequältes Lächeln nicht verkneifen konnte.

Es ist gewissermaßen das letzte Hemd von Adidas gewesen, die ja vom DFB demnächst schnöde von Nike abgelöst werden.

Lieber Herr Bundeskanzler, dann hättest Du doch statt des Trikots die ganze Firma Adidas schenken können. Nur mal so als Geste. Das hätte echt Eindruck gemacht.

 

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Reinhold Rombach
„Börsebius“

Unser Gastkommentator Reinhold Rombach ist einer der bekanntesten Börsenexperten Deutschlands und lebt schon lange in Rodenkirchen. Er beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit börsennotierten Gesellschaften, mit Aktien und Fonds, analysiert ihre Stärken und Schwächen. Seine Meinung über Geld&Börsen veröffentlichte er früher als Kolumnist in der Zeit (aber auch in der Wirtschaftswoche und der Süddeutschen Zeitung) und mehr als ein Vierteljahrhundert im Deutschen Ärzteblatt als „Börsebius“. Seine Fans nennen ihn aber auch den „Kostolany vom Rhein“ oder das „Kölsche Orakel“.  Rombach´s spannende wöchentliche Kolumnen und eine Aktien-TopTen-Masterliste erscheinen im Web unter www.derboersebius.de