Rombachs Finanztipps:

Diamyd Medical AB: Auf dem Sprung

Ach, wie gut, dass wir einen direkten Draht zu vielen Unternehmen haben, und zwar nicht nur zum Pressesprecher, sondern direkt zum CEO oder CFO. So hatten wir die Möglichkeit, am 12.12. letzten Jahres in unserem Börsebius Weekend auf ein sehr interessantes Unternehmen aufmerksam zu machen: Diamyd Medical AB aus Schweden. Das Gespräch mit dem Vorstand von Diamyd Medical führte damals unser Fondexperte Rainer Lemm.

Hier nochmal der Text des damaligen Newsletters:

„Es soll heute nach einem Gespräch mit dem Vorstand in Frankfurt um Diamyd Medical AB aus Stockholm gehen.

Diamyd entwickelt ein Medikament für die Wiederherstellung der Immuntoleranz bei Typ-1-Diabetes. Dies ist nicht völlig neu, aber es gibt bislang kein zugelassenes Medikament, das genauso wie Diamyd funktioniert. Denn Diamyd ist kein klassisches Insulin-Medikament, sondern eine antigenspezifische Immuntherapie, sozusagen ein Impfstoff gegen Autoimmunreaktionen.

Es gibt zwar mit Teplizumab bereits ein Medikament mit US-Zulassung, welches die Krankheit ähnlich an der Wurzel angeht. Aber hier geht es um Antikörper mit einer breiteren Immunmodulation von T-Zellen und nicht – wie bei Diamyd – um ein antigenspezifisches und damit gezieltes Einwirken.

Die Diamyd-Studie hat bereits alle Sicherheits-Reviews eines externen, unabhängigen Expertengremiums positiv durchlaufen und die Abbruchrate ist bisher extrem niedrig.

Außerdem liegen ein Fast-Track-Status und eine sog. Orphan-Drug-Einstufung vor, womit eine grundsätzliche Einigung mit der FDA auf einen Weg zur Accelerated Approval-Zulassung besteht.

Was machen wir als potentielle Anleger daraus?

Auch mit guten Phase-2-Daten scheitern etliche Autoimmun-Programme noch in Phase 3, weil ein Wirkstoff nicht nur statistisch, sondern auch klinisch relevant sein muss. Außerdem ist Typ-1-Diabetes immunologisch sehr heterogen, was die Unsicherheit vergrößert. Die Existenz von Teplizumab hängt die Messlatte hier aus Sicht der FDA automatisch höher.

Das klassische Biotech-Risiko bleibt also voll bestehen: das Phase-3-Ergebnis im März 2026 ist binär, entweder sorgen starke Daten für einen großen Kursprung oder enttäuschende Daten führen zu einem massiven Wertverlust.

Daher möge jeder selbst prüfen, ob sich dieses Risiko lohnt. Der Aktienkurs hat in diesem Jahr bereits 25% verloren, was u.a. an der erfolgten Kapitalerhöhung von rd. EUR 18,5 Mio. bei einer Marktkapitalisierung von ca. EUR 118 Mio. liegen dürfte.

Die Idee jedoch eines gezielten Wirkstoffs gegen Typ-1-Diabetes ist so bestechend, dass sie diesen Newsletter wert ist.“

Vier Wochen später….

So und jetzt in Echtzeit. Just ein Monat nach diesem Newsletter und nach einem Instagram Post von mir („Kurs könnte sich verdoppeln“) ist die Aktie seither von 0,82 Euro auf 1,35 Euro am Mittwoch ziemlich gestiegen und bis zu diesem Wochenende sogar auf 1,80 hochgeschnellt. Daher frage ich mich, warum ist das so, steckt da was dahinter oder ist das nur heiße Luft. Kurzum, was soll der Anleger nun machen?

Also: Es gibt Neuigkeiten in der Entwicklung der klinischen Phase und genau die sind meines Erachtens „schuld“ am derzeitigen tollen Lauf der Aktie.

Vor ein paar Tagen erst meldete Diamyd Medical dass die Screening Phase für die „pivotale Phase III-Studie DIAGNODE-3“ abgeschlossen wurde.

Und noch eine weitere gute Nachricht: In Abstimmung mit der US Gesundheitsbehörde FDA wird der primäre Wirksamkeitsendpunkt nun bereits nach 15 Monaten und nicht erst nach 24 Monaten erhoben.

Diese frühzeitige Auswertung kann also potenziell eine beschleunigte Zulassung (Accelerated Approval/BLA) unterstützen, falls die Daten positiv sind.

Kurzum: Diese Primar-Effiacy- Auswertung kann also schon im März erwartet werden!

Damit ist klar, was den derzeitigen Hype in der Aktie auslöst. Aber: Wenn die Sache gut für Diamyd Medical ausgehen soll, muss die klinische Phase III komplett durchlaufen werden. So weit sind wir aber noch nicht. Gerade im Bereich der Biotechnologie gab es immer wieder völlig überraschende Abbrüche und die wird es auch weiterhin geben.

Insoweit muss jeder wissen, was er tut.  Diamyd Medical hat ein gewaltiges Potenzial, immer noch und erst recht, aber jedermann muss sich des Risikos bewusst sein, wenn er sich engagiert.

Aber aufregend ist das schon!

 

Und zum Schmunzeln (oder zum Nachdenken) noch mein „Knallbonbon der Woche“

Da hat doch tatsächlich die Friedensnobelpreisträgerin Machado ihre Nobel-Medaille dem Donald geschenkt.  Gebracht hat es nix, soweit ersichtlich.

Man kennt solches Gebaren vom Sandkasten, wo dem Platzhirsch auch schon mal das Schäufelchen geschenkt wird.

Der Stärkste Mann der Welt hat das Schäufelchen auch noch angenommen. Wie tief kann man eigentlich noch sinken?

 

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Reinhold Rombach
„Börsebius“

Unser Gastkommentator Reinhold Rombach ist einer der bekanntesten Börsenexperten Deutschlands und lebt schon lange in Rodenkirchen. Er beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit börsennotierten Gesellschaften, mit Aktien und Fonds, analysiert ihre Stärken und Schwächen. Seine Meinung über Geld&Börsen veröffentlichte er früher als Kolumnist in der Zeit (aber auch in der Wirtschaftswoche und der Süddeutschen Zeitung) und mehr als ein Vierteljahrhundert im Deutschen Ärzteblatt als „Börsebius“. Seine Fans nennen ihn aber auch den „Kostolany vom Rhein“ oder das „Kölsche Orakel“.  Rombach´s spannende wöchentliche Kolumnen und eine Aktien-TopTen-Masterliste erscheinen im Web unter www.derboersebius.de