Innere Antreiber: Warum wir manchmal gegen unser Bauchgefühl handeln

Innere Antreiber – Warum wir manchmal gegen unser Bauchgefühl handeln
Im Newsletter vom Mai habe ich bereits angekündigt, dass ich das Thema innere Antreiber noch etwas ausführlicher vorstellen möchte. Das ist mir besonders wichtig, weil mir diese Muster in meinen Coachings immer wieder begegnen.
Kennen Sie Situationen, in denen Sie etwas tun, obwohl Sie eigentlich spüren, dass es nicht das Richtige für Sie ist? Vielleicht sagen Sie Ja, obwohl Sie Nein meinen. Vielleicht übernehmen Sie noch eine Aufgabe, obwohl Ihr Kalender längst voll ist. Oder Sie arbeiten bis spät in die Nacht, weil etwas „noch nicht gut genug“ erscheint.
Oft steckt dahinter eine innere Stimme, die uns unbewusst lenkt. Sie vermittelt uns, was wir tun müssen, um von anderen – und letztlich auch von uns selbst – als „in Ordnung“ angesehen zu werden. Gleichzeitig meldet sich häufig unser Bauchgefühl und signalisiert, dass wir eigentlich anders entscheiden möchten und Sie stellen sich z. B. die Frage: „Warum habe ich nur Ja gesagt?“
Ein Beispiel: „Mach es allen recht“
Dieser innere Antreiber vermittelt die Botschaft:
„Die Bedürfnisse anderer sind wichtiger als meine eigenen.“
Typische Gedanken können sein:
- „Was werden die anderen denken?“
- „Ich möchte niemanden enttäuschen.“
- „Nein zu sagen ist unhöflich.“
Im Alltag zeigt sich das häufig so:
- Sie sagen zu zusätzlichen Aufgaben Ja, obwohl Sie eigentlich keine Zeit haben.
- Sie vermeiden Konflikte um jeden Preis.
- Sie stellen die eigenen Wünsche und Bedürfnisse hinten an.
Natürlich hat dieser Antreiber auch positive Seiten. Menschen mit diesem Muster sind oft besonders hilfsbereit, empathisch und teamfähig. Gleichzeitig besteht die Gefahr von Überforderung, mangelnder Abgrenzung und einer starken Anpassung an die Erwartungen anderer.
Woher kommen innere Antreiber?
Das Modell der fünf inneren Antreiber wurde von den US-amerikanischen Psychologen Taibi Kahler und Hedges Capers im Rahmen der Transaktionsanalyse entwickelt.
Nach Kahler tragen wir alle fünf Antreiber in uns. Allerdings sind sie unterschiedlich stark ausgeprägt. Meist gibt es einen oder zwei Antreiber, die unser Verhalten besonders stark beeinflussen. Dadurch entstehen typische Verhaltensmuster im Beruf, in Beziehungen und besonders in Stresssituationen.
Wichtig ist dabei: Innere Antreiber hatten ursprünglich einen Sinn. Sie waren Strategien, die uns geholfen haben, Anerkennung, Zugehörigkeit und Sicherheit zu erleben und damit ‚gut durchs Leben zu kommen‘.
Sätze wie:
- „Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“
- „Ein Junge weint doch nicht.“
- „Reiß dich zusammen.“
vermitteln beispielsweise den Antreiber „Sei stark“. Über Jahre hinweg lernen Kinder dadurch, Gefühle und Bedürfnisse zurückzustellen, weil sie die Erfahrung machen: „So werde ich akzeptiert.“
Diese Muster begleiten uns oft bis ins Erwachsenenalter, auch dann noch, wenn sie längst nicht mehr hilfreich sind.
Die fünf inneren Antreiber im Überblick
➡️1. Sei perfekt
Menschen mit diesem Antreiber legen großen Wert auf Genauigkeit, Qualität und Fehlerfreiheit. Sie arbeiten sorgfältig, denken voraus und haben einen hohen Qualitätsanspruch.
Chance: Zuverlässigkeit, Sorgfalt und hohe Qualität.
Risiko: Perfektionismus, Selbstkritik und das Gefühl, nie wirklich fertig zu sein.
Die innere Botschaft lautet oft:
„Du bist erst dann gut genug, wenn nichts mehr zu verbessern ist.“
➡️2. Beeil dich
Hier steht die Schnelligkeit im Vordergrund. Aufgaben werden rasch erledigt, Entscheidungen zügig getroffen und Leerlauf möglichst vermieden.
Chance: Dynamik, Effizienz und Tatkraft.
Risiko: Dauerstress, Ungeduld und Flüchtigkeitsfehler.
Oft entsteht der Eindruck, ständig unterwegs zu sein, ohne wirklich anzukommen.
➡️3. Streng dich an
Dieser Antreiber verbindet Selbstwert mit Anstrengung. Nicht nur das Ergebnis zählt, sondern vor allem der Einsatz.
Chance: Ausdauer, Engagement und Durchhaltevermögen.
Risiko: Erschöpfung und die Überzeugung, dass Erfolg nur durch harte Arbeit verdient werden kann.
Die innere Botschaft lautet:
„Nur wenn es schwer war, zählt es wirklich.“
➡️4. Mach es allen recht
Der Blick richtet sich stark auf die Bedürfnisse und Erwartungen anderer.
Chance: Empathie, Hilfsbereitschaft und Teamfähigkeit.
Risiko: Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen und die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.
Ein Nein fühlt sich häufig falsch oder egoistisch an.
➡️5. Sei stark
Menschen mit diesem Antreiber wirken oft belastbar, unabhängig und kontrolliert.
Chance: Stabilität, Krisenfestigkeit und Selbstständigkeit.
Risiko: Gefühle werden unterdrückt und Unterstützung wird selten angenommen.
Die innere Botschaft lautet:
„Ich muss alles allein schaffen.“
✅Vom Antreiber zum hilfreichen Glaubenssatz
In meinen Coachings geht es nicht darum, innere Antreiber „abzuschaffen“. Schließlich stecken hinter ihnen wertvolle Fähigkeiten und Stärken. Das Ziel ist vielmehr, sie bewusst wahrzunehmen und ihre Energie konstruktiv zu nutzen. Ein wichtiger Schritt dabei ist die Veränderung hinderlicher Glaubenssätze:
Alter Glaubenssatz (Mach es allen recht):
„Ich muss immer Ja sagen, damit andere mich mögen.“
Neuer, hilfreicher Glaubenssatz:
„Ich darf Nein sagen und trotzdem respektiert und gemocht werden.“
Wichtig dabei ist: Der neue Glaubenssatz soll sich für Sie glaubwürdig und stimmig anfühlen. Je öfter Sie ihn bewusst denken und in kleinen Alltagssituationen erproben, desto leichter kann sich ein neues Verhalten entwickeln. Denn erst wenn wir unsere inneren Antreiber erkennen, haben wir die Möglichkeit, bewusst zu entscheiden, ob wir ihnen folgen möchten oder ob wir einen anderen Weg wählen.
Vielleicht haben Sie sich beim Lesen in dem einen oder anderen Antreiber wiedererkannt. Wenn Sie genauer wissen möchten, welche Antreiber bei Ihnen besonders stark ausgeprägt sind, lade ich Sie herzlich zu einem kurzen Selbsttest ein.
Die Ergebnisse können wertvolle Hinweise darauf geben, welche inneren Muster Sie im Alltag antreiben und wo möglicherweise Ihr Entwicklungspotenzial liegt.
👉Zum Selbsttest gelangen Sie hier
Elke Strauß
Seit vielen Jahren begleite ich als Trainerin, Coach und Moderatorin Menschen in herausfordernden Arbeits- und Lebenssituationen. Mein Schwerpunkt liegt auf den Themen Pflege, Demenz, Unterstützung von Angehörigen sowie Coaching und der Entwicklung von Teams und Führungskräften.
Mein Anliegen ist es, wertvolle Impulse, praktische Tipps und inspirierende Gedanken mitzugeben – für mehr Orientierung, Entlastung und neue Perspektiven im Alltag.
Elke Strauß
Dipl. Pflegewirtin, Krankenschwester, Trainerin, Coach und Moderatorin
Mehr Infos: www.elke-strauss.de

