Rombachs Finanztipps:
Wir besprechen heute die Aktie der Woche: Infineon – blickt der Markt noch zu sehr in den Rückspiegel?

Die Halbleiterbranche zählt zu den zyklischsten Sektoren überhaupt. Nach den Boomjahren während der Pandemie folgten Lagerabbau und eine spürbare Normalisierung der Nachfrage. Gleichzeitig legte die Infineon-Aktie zunächst eine beeindruckende Rallye hin und erreichte im Juni ein neues Allzeithoch. Die anschließende Korrektur von rund 20 Prozent zeigt jedoch, dass der Markt derzeit wieder stärker auf die kurzfristigen Risiken blickt.
Dabei richtet das Management den Fokus bereits auf die nächste Wachstumsphase. Der Finanzvorstand erwartet für das Geschäftsjahr 2027 eine deutliche Belebung. Rückenwind sollen steigende Chippreise sowie eine anziehende Nachfrage aus den wichtigsten Endmärkten liefern. Neben dem Automobilgeschäft gewinnt insbesondere das Geschäft mit KI-Rechenzentren zunehmend an Bedeutung und soll bis 2027 rund 2,5 Milliarden Euro zum Umsatz beitragen. Gleichzeitig dürfte eine bessere Auslastung der Produktionskapazitäten die zuletzt belastenden Leerstandskosten spürbar reduzieren und die Profitabilität weiter verbessern.
Genau hier liegt der zentrale Investmentkonflikt. Anfang Juli eröffnete Infineon die neue Smart Power Fab in Dresden – eine der modernsten Halbleiterfabriken Europas und mit einem Investitionsvolumen von rund fünf Milliarden Euro eines der größten Industrieprojekte des Konzerns. Kritiker sehen darin zunächst hohe Anlaufkosten sowie das Risiko vorübergehender Überkapazitäten. Das Management verfolgt dagegen einen langfristigen Ansatz: Die zusätzlichen Kapazitäten sollen die Grundlage schaffen, um die erwartete Nachfrage aus den Bereichen Elektromobilität, Energieeffizienz und künstliche Intelligenz bedienen zu können. Kurzfristig belastet zwar weiterhin das schwächere Marktumfeld im Automobilbereich, langfristig dürfte jedoch entscheidend sein, ob die heutigen Investitionen den Grundstein für den nächsten Wachstumszyklus legen.
Für Aufmerksamkeit sorgte zuletzt zudem ein Aktienverkauf von Vorstandsmitglied Andreas Urschitz. Solche Directors’ Dealings werden von Investoren regelmäßig genau beobachtet. Verkäufe lassen sich allerdings deutlich schwieriger interpretieren als Insiderkäufe und erfolgen häufig aus privaten oder vergütungsbedingten Gründen. Aus unserer Sicht liefern die operativen Aussagen des Managements derzeit den deutlich aussagekräftigeren Hinweis auf die langfristigen Perspektiven des Unternehmens.
Unsere Einschätzung:
Infineon zählt für uns zu den qualitativ hochwertigsten europäischen Halbleiterunternehmen. Besonders überzeugend finden wir, dass der Konzern bereits heute in die Kapazitäten investiert, die für den nächsten Nachfragezyklus benötigt werden. Gleichzeitig ist Infineon breiter aufgestellt als viele klassische KI-Zulieferer und profitiert zusätzlich von langfristigen Trends wie Elektrifizierung, Energieeffizienz und Industrieautomatisierung.
Nach der deutlichen Korrektur seit dem Rekordhoch erscheint die Bewertung wieder interessanter als noch vor wenigen Wochen. Gerade die aktuelle Phase bietet aus unserer Sicht die Möglichkeit, den Blick stärker auf die langfristigen Perspektiven als auf die kurzfristigen Schwankungen des Halbleitermarktes zu richten. Entsprechend ist Infineon auf unserer Watchlist wieder ein gutes Stück nach oben gerückt. Wir prüfen daher, ob die Aktie künftig auch für die Börsebius-Fonds in Betracht kommt.
Und zum Schmunzeln (oder zum Nachdenken) noch mein „Knallbonbon der Woche“
„Was schenke ich denn bloß?“ Jeder kennt die Gewissensbisse bei allen möglichen Gelegenheiten: Schenke ich das Falsche, blamiere ich mich, hat der das schon und so weiter.
Der türkische Präsident Erdoğan scheint sich mit solchen Fragen in seiner unerschöpflichen Grandezza nicht groß aufzuhalten.
Er schenkte auf dem jüngsten NATO-Gipfel jedem Teilnehmer einen Revolver. Funktionstüchtig und sogar mit Patronen. Mit Geschenkschatulle, versteht sich, der Mann ist ja ein Feingeist.
Wer wen wann zu erschießen habe, ist protokollarisch nicht belegt. Aber vielleicht ist das auch nur ein „Gift“ für dekorative Zwecke. Wer weiß das schon.
Liebe Abonnenten des BilderBogen:
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Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.
Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“
