Ab Januar 2027 startet das neue Altersvorsorgedepot. Banken und Onlinebroker bringen sich bereits in Stellung, besonders die Neobroker trommeln in den sozialen Netzwerken um die Sparer von morgen. Schließlich winken zahlreiche neue Depotkunden. Doch wer profitiert davon eigentlich als Aktionär?
Ein interessanter Kandidat ist flatexDEGIRO. Der Onlinebroker betreut mehr als 3,5 Millionen Kunden in 16 europäischen Ländern und verwahrt Wertpapiere im Wert von über 100 Milliarden Euro. Geld verdient das Unternehmen vor allem mit Wertpapiergeschäften und Zinserträgen.
Das Geschäft läuft ausgesprochen gut. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 14 %, während der Konzerngewinn sogar um 29 % zulegte. Die ursprünglich für 2027 gesteckten Ergebnisziele sollen bereits in diesem Jahr erreicht werden. Bemerkenswert ist die Kosteneffizienz: Die operativen Aufwendungen machten zuletzt nur rund 41 % des Umsatzes aus. Diese sogenannte Cost-Income-Ratio zeigt, wie viel ein Unternehmen ausgeben muss, um einen Euro Einnahmen zu erzielen.
An der Börse herrscht trotzdem schlechte Stimmung. Vom Jahreshoch bei über 43 Euro ist die Aktie auf rund 25 Euro gefallen. Ein Belastungsfaktor war der überraschende Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden im September wegen unterschiedlicher Auffassungen über die strategische Ausrichtung. Inzwischen wurde auch die Führungsspitze neu geordnet. Gute Geschäftszahlen sind eben das eine, Vertrauen in die Unternehmensführung das andere.
Für Aufmerksamkeit sorgten zudem Aktienkäufe aus dem Aufsichtsratsumfeld, die auch im „Börsebius Podcast: Den Insidern auf der Spur“ thematisiert wurden. Solche Geschäfte können ein interessantes Signal sein, ersetzen aber keine eigene Unternehmensanalyse.
Unsere Einschätzung:
Wir halten flatexDEGIRO für einen interessanten Profiteur des zunehmenden Vermögensaufbaus über die Börse. Das neue Altersvorsorgedepot ist dabei eher das Sahnehäubchen als die eigentliche Investmentgeschichte. Wichtiger ist der langfristige Trend, dass immer mehr Menschen in Aktien und ETFs investieren. Davon profitieren auch Onlinebroker wie flatexDEGIRO, die mit ihren digitalen Plattformen eine große Zahl von Anlegern erreichen können.
Besonders gefällt uns die hohe Profitabilität. Die Handelsplattform kann zusätzliche Kunden betreuen, ohne dass die Kosten im gleichen Umfang steigen. Allerdings hängt ein Teil des Erfolgs von der Handelsaktivität der Anleger ab. Ruhigere Börsenphasen können die Provisionserträge belasten. Auch sinkende Zinsen könnten für Gegenwind sorgen, während steigende Kundengelder und eine stärkere Kreditnachfrage dies teilweise ausgleichen können.
Hinzu kommt der intensive Wettbewerb. Gerade beim Altersvorsorgedepot locken die Anbieter mit günstigen Konditionen. Viele neue Kunden sind schließlich nur dann ein gutes Geschäft, wenn sich mit ihnen langfristig Geld verdienen lässt. Auch die neue Führungsstruktur muss sich erst bewähren.
Dem steht eine Bewertung gegenüber, die wir angesichts der Gewinnentwicklung für attraktiv halten. Bei einem Aktienkurs von rund 25 Euro ergibt sich auf Basis der bestätigten Jahresprognose ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 12. Das erscheint für ein wachsendes Unternehmen moderat, setzt allerdings voraus, dass die Gewinne auch in ruhigeren Börsenphasen weitgehend erhalten bleiben.
Wir sehen deshalb auf dem aktuellen Kursniveau interessante Chancen, auch wenn die Aktie kurzfristig schwankungsanfällig bleiben dürfte. Entscheidend ist für uns nicht, wer beim Altersvorsorgedepot die meisten neuen Kunden gewinnt, sondern wer mit ihnen langfristig gutes Geld verdient.
Und zum Schmunzeln (oder zum Nachdenken) noch mein „Knallbonbon der Woche“
In den USA hat Donald Trump kein Problem damit, Leute medial hinzurichten. Das kann man kaum noch toppen, denkt sich der Betrachter.
Doch weit gefehlt. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, der sich lieber Kriegsminister nennen lässt, plante für den 3. Dezember dieses Jahres eine öffentliche Hinrichtung. Um das Grauen perfekt zu machen, sollte die Exekution auch noch per Livestream übertragen werden.
Wie roh muss ein Mensch gestrickt sein, um sich ein solches Vorhaben überhaupt nur auszudenken?
Nun ist die Liveübertragung abgesagt, die Hinrichtung jedoch nicht. Barbarei bleibt es gleichwohl.
Liebe Abonnentinnen und Abonnenten des BilderBogen:
Falls Sie auch eine Frage rund ums Geld haben, immer zu. Schreiben Sie an: rombach@derboersebius.de
Ich freue mich auf Sie.
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Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.
Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“