Et kütt, wie et kütt – und was wir trotzdem ändern können

Der Kölner hat für fast alles einen Grundsatz. „Et kütt, wie et kütt“ ist der zweite davon, danach kommt „Et hätt noch immer jot jejange“. Zusammen ergeben sie eine Lebensphilosophie, die ganz unkompliziert klingt. Aber so einfach ist es halt auch nicht immer.
Ich leite aus diesem Grundsatz das Thema ‚Akzeptanz‘ ab und meine Fähigkeiten, wie ich mit den Herausforderungen des Alltags umgehe. Der Kölner sagt: „Dann is dat halt su.“ Es klingt nach Schulterzucken, steckt aber viel Weisheit darin. Denn wer annimmt, was er nicht ändern kann, hat den Kopf frei für das, was er ändern kann. Das ist der Kern, und dafür lohnt sich eine Unterscheidung.
Verhältnisse: Dinge, denen wir oft ausgeliefert sind
Die Bahn hat Verspätung. Auf der A3 steht der Verkehr. Die Ampel springt auf Rot, kurz bevor wir sie erreichen. Das sind Verhältnisse. Wir können schimpfen, hupen und böse auf die Anzeigetafel schauen, es ändert sich dadurch nichts. Hier hilft tatsächlich nur der kölsche Grundsatz: „Et kütt, wie et kütt.“ Ein tiefer Atemzug, ein Hörbuch und der Gedanke, dass der Zug auch ohne meine Empörung irgendwann kommt, sparen Nerven.
Verhalten: Dinge, die wir meistens ändern können
Anders ist es beim Verhalten. Verhalten ist das, was Menschen tun, und es lässt sich in der Regel ändern. Dazu gehört, wie ich auf die Verspätung reagiere. Dazu gehört auch, ob ich zehn Minuten früher losgehe, ob ich im Team sage, was mich stört, oder ob ich beim nächsten Mal einfach den früheren Zug nehme. Ich kann nicht ändern, dass die Bahn zu spät kommt. Ich kann aber ändern, wie ich damit umgehe.
Die Kunst liegt in der Unterscheidung
Das ist das ganze Geheimnis. Eine einfache Prüffrage hilft dabei: Kann ich oder jemand anderes durch eigenes Tun etwas daran ändern? Wenn ja, ist es Verhalten. Wenn nein, ist es ein Verhältnis. Der Ärger entsteht meistens dann, wenn wir beides verwechseln. Wir kämpfen gegen den Stau und lassen das Gespräch mit dem Kollegen, das sich klären ließe, einfach liegen.
Ganz scharf ist die Grenze allerdings nicht. Manche Verhältnisse lassen sich auf Dauer verändern, etwa ein Dienstplan durch eine Teamentscheidung oder ein Stau durch eine andere Route. Dann wird aus dem Verhältnis plötzlich ein Verhalten. Und auch wenn ich ein Verhältnis nicht ändern kann, bleibt mein Umgang damit mein Verhalten. Deshalb endet die Frage nie bei „Das geht nicht“, sondern bei „Was kann ich jetzt tun?“
Übrigens: In der Gesundheitsförderung ist diese Unterscheidung ein feststehendes Begriffspaar. Man spricht von Verhaltens- und Verhältnisprävention. Es geht darum, entweder das Handeln der Menschen oder die Bedingungen, unter denen sie leben und arbeiten, zu verbessern. Am besten wirkt beides zusammen.
Mein Vorschlag für die nächste Woche: Wenn Sie sich das nächste Mal ärgern, fragen Sie sich kurz: Ist das Verhältnis oder Verhalten? Bei Verhältnissen sagen Sie leise: „Et kütt, wie et kütt.“ Bei Verhalten fragen Sie sich, was Sie jetzt tun können. Und falls es trotzdem schiefgeht, gibt es ja noch den dritten Grundsatz: Et hätt noch immer jot jejange.
Foto: KI-generiert, ChatGPT, Elke Strauß
Elke Strauß
Seit vielen Jahren begleite ich als Trainerin, Coach und Moderatorin Menschen in herausfordernden Arbeits- und Lebenssituationen. Mein Schwerpunkt liegt auf den Themen Pflege, Demenz, Unterstützung von Angehörigen sowie Coaching und der Entwicklung von Teams und Führungskräften.
Mein Anliegen ist es, wertvolle Impulse, praktische Tipps und inspirierende Gedanken mitzugeben – für mehr Orientierung, Entlastung und neue Perspektiven im Alltag.
Elke Strauß
Dipl. Pflegewirtin, Krankenschwester, Trainerin, Coach und Moderatorin
Mehr Infos: www.elke-strauss.de
