Sympathie oder Empathie: Gibt es einen Unterschied?

In meinen Trainings frage ich die Teilnehmenden häufig, was wichtig ist, um mit anderen Menschen in Beziehung zu treten. Die Antwort lautet fast immer: Empathie. Wenn ich jedoch nachfrage, was genau damit gemeint ist, wird deutlich, dass viele Empathie und Sympathie miteinander vermischen.

Das ist verständlich, denn beide Begriffe klingen ähnlich und werden im Alltag oft gleichbedeutend verwendet.

Sympathie: „Der Mensch ist mir angenehm“

Wir sagen häufig: „Der oder die ist mir sympathisch.“ Damit beschreiben wir ein positives Gefühl gegenüber einer Person. Oft entsteht Sympathie, wenn wir Gemeinsamkeiten entdecken, etwa ähnliche Interessen, gemeinsame Hobbys oder einen vergleichbaren Lebenshintergrund.

Interessant ist: Eine Person kann uns sympathisch sein, obwohl wir sie noch gar nicht besonders gut kennen.

Empathie: „Ich kann nachvollziehen, wie es dir geht“

Empathie bedeutet etwas anderes. Sie beschreibt die Fähigkeit, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen. Empathische Menschen nehmen über Gestik, Mimik und Verhalten wahr, wie es ihrem Gegenüber geht. Sie können Gefühle und Beweggründe nachvollziehen, auch dann, wenn sie selbst nicht in derselben Situation sind oder eine andere Meinung vertreten.

Empathie heißt also nicht, mit allem einverstanden zu sein. Sie bedeutet vielmehr, die Gefühle des anderen wahrzunehmen, anzuerkennen und verständnisvoll darauf zu reagieren.

 

Der Unterschied auf einen Blick

Sympathie

Empathie

„Ich mag dich.“

„Ich verstehe, wie es dir geht.“

Gefühl der Zuneigung

Fähigkeit des Hineinversetzens

entsteht oft durch Gemeinsamkeiten

ist auch ohne Gemeinsamkeiten möglich

muss nicht tiefes Verstehen beinhalten

beinhaltet Verstehen und Nachvollziehen

 

Warum wird beides so oft verwechselt?

Menschen, die sehr empathisch sind, wirken häufig auch besonders sympathisch. Wer aufmerksam zuhört, Verständnis zeigt und die Gefühle anderer ernst nimmt, wird meist als angenehm und zugewandt erlebt. Deshalb verschwimmt im allgemeinen Sprachgebrauch oft die Grenze zwischen beiden Begriffen.

Der Berg: Ein Bild für Sympathie und Empathie

Stellen Sie sich vor, zwei Menschen stehen an einem Berg.

Sympathie bedeutet, dass ich mich entscheide, neben dem anderen Menschen zu stehen. Ich finde sie/ihn angenehm, wir verstehen uns gut, teilen vielleicht ähnliche Interessen oder Werte. Es fühlt sich leicht an, Zeit miteinander zu verbringen. Doch wir stehen beide auf derselben Seite des Berges. Ich sehe die Welt weiterhin aus meiner eigenen Perspektive.

Empathie geht einen Schritt weiter. Hier verlasse ich meinen eigenen Standpunkt und mache mich auf den Weg über den Berg. Ich versuche, die Welt von der anderen Seite aus zu betrachten, aus der Perspektive meines Gegenübers. Dort angekommen erkenne ich, warum der andere so denkt, fühlt oder handelt.

Das bedeutet nicht, dass ich diese Sichtweise für mich übernehmen oder gutheißen muss. Vielleicht würde ich an ihrer oder seiner Stelle trotzdem anders handeln. Aber ich verstehe nun, warum diese Wahrnehmung für sie oder ihn stimmig ist.

Anschließend gehe ich wieder auf meine Seite des Berges zurück. Ich verliere meine eigene Haltung also nicht. Empathie bedeutet nicht, sich selbst aufzugeben, sondern die Fähigkeit, zwischen den Perspektiven zu wechseln.

Warum ist dieses Bild so hilfreich?

Gerade in der Führung, Beratung oder Pflege besteht die Gefahr, entweder auf der eigenen Seite des Berges stehen zu bleiben („Ich verstehe nicht, warum sie so reagiert.“) oder auf der anderen Seite zu bleiben und sich so sehr in die Gefühle des anderen hineinziehen zu lassen, dass die professionelle Distanz verloren geht.

Empathie bedeutet deshalb:

➡️den Weg auf die andere Seite zu gehen,

➡️die Sicht des anderen zu verstehen

➡️und anschließend wieder auf den eigenen Standpunkt zurückzukehren.

So entstehen Verständnis und Verbindung, ohne die eigene Professionalität oder die persönlichen Grenzen zu verlieren.

✅Empathie ist ein bewusster Perspektivwechsel und kann mit einem Gefühl der Zuneigung verbunden sein, muss aber nicht. Und genau dieser Perspektivwechsel ist die Grundlage für gelingende Beziehungen, unabhängig davon, ob uns ein Mensch sympathisch ist oder nicht.

Elke Strauß

Seit vielen Jahren begleite ich als Trainerin, Coach und Moderatorin Menschen in herausfordernden Arbeits- und Lebenssituationen. Mein Schwerpunkt liegt auf den Themen Pflege, Demenz, Unterstützung von Angehörigen sowie Coaching und der Entwicklung von Teams und Führungskräften.

Mein Anliegen ist es, wertvolle Impulse, praktische Tipps und inspirierende Gedanken mitzugeben – für mehr Orientierung, Entlastung und neue Perspektiven im Alltag.

Elke Strauß
Dipl. Pflegewirtin, Krankenschwester, Trainerin, Coach und Moderatorin

Mehr Infos: www.elke-strauss.de